22
März
2024

Expert:innen Workshop „Geoinformation zur Beschleunigung der Energiewende“

Was haben Geodaten und Geoinformationstechnologien (GeoIT) mit der Energiewende zu tun? Mehr als man auf den ersten Blick glauben möchte. Zu diesem Fazit kam ein Workshop des AIR e. V. und der Veranstaltungspartner Deutscher Dachverband für Geoinformation DDGI e.V., der Zenit GmbH und das Copernicus Netzwerkbüro Kommunal am 14. März in den Räumen der Zenit in Mülheim an der Ruhr.

Bilder zum Expert:innen Workshop „Geoinformation zur Beschleunigung der Energiewende“ des AIR e. V.
Bilder zum Expert:innen Workshop „Geoinformation zur Beschleunigung der Energiewende“. Bild AIR e. V.

Und: die Umsetzung der Energiewende kann durch eine effizientere Nutzung von Geoinformationstechnologien und Geodaten beschleunigt werden, so das erste Fazit der Veranstal-ter:innen des Workshops. Über 50 Expertinnen und Experten aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen und Organisationen diskutierten die Möglichkeiten, die Geoinformationen für eine schnellere Umsetzung der Energiewende bieten.
 
So sind z.B. exakte Geodaten nötig, um die Schwerlasttransporte der Bauteile von Windkraftanlagen sicher über unsere Straßen zum Ziel zu geleiten: Kurvenradien und Steigungen entscheiden u. U. über die Ausbaumöglichkeiten an geplanten Standorten. Eine schnelle Auswertung von Geoinformationen z.B. mittels KI ist daher ein dringlicher Wunsch, sagt Dr. Gabriele Siegert, die für EFI-Wind den Impulsvortrag zur Nutzung von Geoinformationen bei der Windkraftanlagenstandortplanung hielt.

Und für die heimische PV-Anlage stehen zwar Solarkataster bereits für viele Städte auf der Basis von Geoinformation zur Verfügung, eine flächendeckende und vor allem aktuelle Datenverfügbarkeit ist aber immer noch nicht gegeben. Die hier bestehenden Lücken könnten durch die Erdbeobachtung und im Speziellen durch die Daten und Dienste des Europäischen Copernicus-Programms eigentlich schnell geschlossen und auch regelmäßig aktualisiert werden. Die Möglichkeiten dazu sind aber noch zu wenig bekannt und werden auch deshalb nicht ausreichend genutzt.
 
Aber auch andere Anwendungen der Energiewende, wie z. B. die Speicherung von Wasserstoff in unterirdischen Kavernen können durch den Einsatz von Geodaten ermöglicht und die Betriebssi-cherheit der Anlagen mit GeoIT überwacht werden. Dazu stellte Prof. Tobias Rudolph (THGA Bochum) die Nutzung von GeoIT am Beispiel einer der größten Kavernenspeicher Europas in Gronau-Epe vor. Hier werden u.a. die durch den Kavernenbetrieb aber auch durch den Klimawandel auftretenden Bodenbewegungen mittels der Copernicus-Sensordaten überwacht – eine Technologie, die zukünftig wesentlich intensiver u.a. für den Ausbau und Betrieb von Kavernenspeichern z.B. für Wasserstoff genutzt werden könnte.

Insbesondere bei einem Kernstück der Energiewende, der kommunalen Wärmeplanung, kommen ebenfalls Geoinformationen als wesentliche Elemente zur Anwendung. Das beginnt beim Ausbau von Strom- und Wärmenetzen und setzt sich bei Fragen zur Akzeptanz in der Bevölkerung bis hin zur gestaffelten Sanierung in den Stadtquartieren fort. Da die kommunale Wärmeplanung als Teil der Stadtplanung gesehen werden muss, kommen natürlich auch hier Geodaten im Rahmen der Stadtentwicklung bereits heute zum Einsatz.
 
Viel Lob gab es von den Teilnehmer:innen für die Geoinformationsangebote des Landes Nordrhein-Westfalen. Hier ist Dank der Open Data Politik des Landes ein breites Spektrum von Geoinformationen bereits heute für die Planung und Umsetzung der Energiewende vorhanden. NRW leistet da-bei auch für andere Bundesländer Unterstützung: so erstellt IT.NRW deutschlandweit Heizungskarten aus der Wohnungs- und Gebäudezählung im Zensusatlas 2022, wie Christoph Rath in seinem Impulsvortrag darstellte. Wie die Nutzung aber aus Sicht vieler Workshopteilnehmer:innen noch deutlich intensiver erfolgen kann und muss wurde anhand der Workshopdiskussionen in den Wor-ldcafés deutlich.

Die Workshop-Teilnehmer:innen erarbeiteten eine umfangreiche Liste von Aufgaben, Hemmnissen und Potentialen für die Nutzung von Geoinformationen im Rahmen der Energiewende: fehlende Standards, zersplitterte Datenbestände und Zuständigkeiten werden als größere Probleme gesehen; der Einsatz von Satelliten- und anderen Fernerkundungsdaten und der Aufbau digitaler Zwil-linge in den Städten auf der Potentialseite verbucht.

Diese Anregungen und Ergebnisse des Workshops führten zur Gründung einer Arbeitsgruppe, die bis Ende 2024 Empfehlungen, konkrete Lösungsansätze und die Umsetzung der Vorschläge u.a. in der kommunalen Wärmeplanung erarbeiten und über die beteiligten Verbände publizieren wird.

Weitere Informationen sind über die Webseiten der Workshoporganisatoren verfügbar.

 

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