19
Mai
2017

Geodaten in Mittelhessen

Geodaten in Mittelhessen Geodaten. Viele fragen sich bei dem Begriff sicherlich: Geo… was?! Dabei nutzen wir alle auf unterschiedliche Art und Weise Geodaten: Sobald wir eine bestimmte Fragestellung („Wo befindet sich das Rathaus in meiner Stadt?“) mit einer Adresse, einer Koordinate oder einen anderem Raumbezug verknüpfen, greifen wir auf Geodaten zurück. Das geschieht zum Beispiel mit dem Blick auf einen Stadtplan, eine Karte im Internet oder ein Navigationsgerät. Geodaten sind ein breites Feld: egal ob Schutzgebiete, Standorte von Windenergieanlagen, Verkehrsnetze, Bevölkerungsdaten oder Versorgungseinrichtungen. Alle Informationen, die auf einer Karte abgebildet werden können, sind letztendlich Geodaten. Sie nutzen den Bürgerinnen und Bürgern, der Wirtschaft und der Verwaltung in unterschiedlichsten Fragestellungen und finden in vielen Bereichen wie der Stadt- und Infrastrukturplanung, dem Katastrophen-, Klima- und Naturschutz Anwendung.

Vor 10 Jahren wurde ein europäisches Gesetz verabschiedet, die sogenannte INSPIRE Richtlinie, um Geodaten aller Mitgliedsstaaten flächendeckend und standardisiert zu veröffentlichen. Ziel ist es, bis zum Jahr 2021 alle betroffenen Daten über eine zentrale Plattform (INSPIRE Geoportal) zur Verfügung zu stellen. Die Bundes- und Landesbehörden sind zur Bereitstellung verpflichtet, aber auch die Geodaten von Kommunen können betroffen sein. Insbesondere kleine Kommunen sind jedoch mit der Bereitstellung der Daten überfordert, da ein gewisser technischer, organisatorischer und natürlich auch finanzieller Aufwand verbunden ist. Dennoch ist der große Nutzen, der durch die Bereitstellung entsteht, nicht von der Hand zu weisen: Jeder kann zu jeder beliebigen Zeit, ortsunabhängig auf eine Vielzahl von aktuellen Geodaten zugreifen. Zur Realisierung dieser technischen Infrastrukturen schließen sich daher die Kommunen häufig zu sogenannten regionalen Geodateninfrastruktur (GDI)-Initiativen zusammen. In Mittelhessen gibt es bereits vier dieser Initiativen: die GDI-Vogelsberg, GDI-Marburg-Biedenkopf, GeoPort Landkreis Gießen sowie die GDI-Mittelhessen. Die Kooperationen werden durch Mittel des hessischen Förderprogrammes für Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) finanziell unterstützt. An der fachlichen Umsetzung der GDIen beteiligen sich die zuständigen Ämter für Bodenmanagement (Marburg und Fulda), aber auch das Regierungspräsidium Gießen, welches speziell dafür eine Stelle in der Stabstelle Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Region Mittelhessen eingerichtet hat.

Regionale GDI-Initiativen in Mittelhessen



Die GDI-Vogelsberg ist in ihrer Umsetzung am weitesten fortgeschritten. Nachdem ein System zur Bereitstellung der Daten beschafft wurde, werden derzeit zunächst die Bebauungspläne für die Veröffentlichung vorbereitet. Dazu gehört auch, dass die Pläne im Vorfeld digitalisiert und für die Darstellung in einer Karte angepasst werden mussten. Nach den Bebauungsplänen sollen dann weitere Daten veröffentlicht werden. Beteiligt an der GDI sind alle Kommunen des Vogelsbergkreises sowie der Kreis selbst. Auch die Kommunen des Landkreises Gießen und der Kreis selbst wollen ihre Daten gemeinschaftlich veröffentlichen. Nach der IKZ-Förderbescheidübergabe im August 2016, wurde auch hier zunächst das Thema Bebauungspläne aufgegriffen. Derzeit werden Abstimmungen zur Digitalisierung und Aufbereitung der Pläne getroffen. Ein weiterer Schritt ist die Auswahl eines geeigneten Systems zur Veröffentlichung der Daten. Die GDI-Marburg-Biedenkopf, bestehend aus dem Landkreis sowie 21 kreisangehörigen Kommunen, steht noch am Anfang ihrer Umsetzung. Nachdem im April dieses Jahres der IKZ-Förderbescheid übergeben wurde, trifft sich die GDI in den kommenden Wochen zur konstituierenden Sitzung.

Einige Kommunen, die Landkreise Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Gießen sind zudem Mitglieder der GDI-Mittelhessen. Federführend ist hierbei das für die drei Kreise zuständige Amt für Bodenmanagement Marburg. Auch die GDI Vogelsberg und das Regierungspräsidium Gießen beteiligen sich an der Geodateninfrastruktur. Sie dient vor allem dem fachlichen Austausch, um gegenseitig von den jeweiligen Erfahrungen zu profitieren. Allerdings sind in den Landkreisen Limburg-Weilburg und Lahn-Dill keine regionalen GDI-Initiativen entstanden. Dabei könnten auch hier die Kommunen und der Landkreis von dem Austausch der Daten profitieren, wenn sie sich zu einer GDI zusammenschließen würden. Außerdem wird auch die Digitalisierung der Daten gefördert, was wiederum für bessere Verwaltungsabläufe sorgt und letztendlich den Bürgerinnen und Bürgern zugutekommt.

Apropos Geodaten: Am 20. Mai findet erneut der „Tag der Geodäsie“ statt. An diesem Tag finden bundesweit verschiedene Aktionen statt, um die Vielschichtigkeit der Geodäsie, angefangen von der Ingenieur-, Kataster- und Landvermessung, über die Bodenordnung bis hin zur Datenanalyse mit Hilfe von Geoinformationssystemen, zu präsentieren. Außerdem soll der Aktionstag gezielt der Nachwuchsförderung dienen und auf die interessanten Berufsbilder im Bereich der Geodäsie aufmerksam machen. In Hessen finden dazu Aktionen in Darmstadt und Frankfurt statt.

Informationen rund um die Themen Geodaten und Geodateninfrastrukturen finden sich auch auf der Internetseite des RP Gießen unter www.rp-giessen.de/planung/geodaten.

 

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