16
Januar
2018

Umweltdatenmanagement. – Eine Geo-Inspiration: Das INSPIRE-Paradoxon

Aufsatz von Dr. Heino Rudolf

Karl Kraus:
"Ein Paradoxon entsteht, wenn eine frühreife Erkenntnis mit dem Blödsinn ihrer Zeit zusammenprallt."

Im gis-report-news***21/2017 konnte das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie die Erfüllung der gestellten INSPIRE-Termine zu Annex I verkünden: „BKG setzt INSPIRE-Initiative um“.

Mich als großen INSPIRE-Freund und –Mitgestalter freut das natürlich sehr. Ich muss kein großer Prophet sein um festzustellen, dass uns die Interoperabilität von Daten völlig neue Horizonte eröffnet und eröffnen wird. Und der Königsweg für Umweltdaten ist für mich INSPIRE: einerseits ist es ein europäisches Gesetz, andererseits schreibt es klare und eindeutige Datenstrukturen vor, auf die dann Weiterverarbeitungen gezielt erstellt und damit neue Werte geschaffen werden können. Es ist ein Meilenstein erreicht:

1. Der gewaltige Block zu Annex I ist bewältigt. Die Machbarkeit ist nachgewiesen. Die Daten stehen als WMS und WFS bereit.

2. Die Infrastruktur ist implementiert und funktioniert. Das können wir gar nicht hoch genug schätzen, denn damit sind alle Voraussetzungen für die Bereitstellung der Umweltdaten als Open Data verfügbar.

Jetzt müssen wir das also „nur noch“ auf die restlichen Annex-Themen übertragen. Der eigentliche Clou kommt natürlich mit den vielen Fachdaten aus Annex II und III. Die Idee ist konsequent und atemberaubend! – Nur weit gefehlt:

Es scheint so in der Praxis nicht zu funktionieren: wie viele Behörden versuchen heute herauszufinden, ob sie sich beteiligen müssen oder wie sie das Alles so minimal wie möglich umsetzen können. – Was für eine vergebene Chance…
Was sind die objektiven Gründe für diese Verhaltensweisen der Fachbehörden:

INSPIRE hat keinerlei Bedeutung für ihre eigentliche Arbeit.
Nicht einmal die Berichterstattungen können mit INSPIRE umgesetzt werden.

Der Wunsch für ein themenübergreifendes Datenmanagement wird für sie durch INSPIRE nicht erfüllt.
Die Art und Weise der Modellierung steht im Widerspruch zur Arbeitsweise der Fachbehörden, die „Dynamik in den Daten“ verlangt.
Die Modelle sind so kompliziert notiert, dass kaum einer die Zeit und Mühe investieren möchte, sie zu lesen – geschweige denn, sie zu verstehen.
INSPIRE ist etwas Zusätzliches –  eine Pflicht, die keine Vorteile in der Arbeit bringt!

INSPIRE wird dann erfolgreich sein, wenn wir diese Bedenken ausräumen. Ich suche dafür den Weg über den konkreten Erfahrungsschatz der Fachbehörden beim Datenmanagement. Es ist doch längst Praxis, dass Daten untereinander ausgetauscht und verarbeitet werden. Nur gehen die Fachbehörden ganz anders vor als Vermessungsverwaltungen. Und die vielen Fachbehörden sind natürlich in ihren Aufgaben heterogener strukturiert – und so auch die von ihnen verwalteten Daten. Praktisch habe ich für mehrere Fachbehörden das Datenmanagement (insbesondere auch bzgl. INSPIRE und anderen Umweltberichterstattungen sowie Open Data) mit angepassten und auf die Behörden zugeschnittenen Realisierungsansätzen konzipiert.

Zusammenfassend vereinfachte ich einerseits die Datenmodelle; ich nenne das auch „Entmystifizieren“. Andererseits sortierte ich die Lösungsideen und strukturierte sie zu einer Methodik und einem Systemansatz für das Umweltdatenmanagement.

Am 31.01. stelle ich auf dem GIS-Forum in Dresden Lösungsansätze und praktische Beispiele für das interoperable Umweltdatenmanagement vor: "Umweltdaten, Open Data und INSPIRE".
Mein Buch „Umweltdatenmanagement. – Eine Geo-Inspiration“ wird diesen Sommer im Bernhard Harzer Verlag erscheinen und zur agit in Salzburg vorgestellt.

Bis dahin möchte ich monatlich mit ergänzenden Aufsätzen die Lösungsideen umreißen und Sie auf das Buch einstimmen.
Weitere Infos finden Sie unter: www.hrd-consulting.eu.

Alle News im Monat: 01-2018

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