| Staus, zähflüssiger Verkehr, freie Straßen, verfügbare Plätze in den Parkhäusern: Halles Verwaltung will die Lage im Stadtverkehr künftig elektronisch und zentral überwachen. Der Bau- und Vergabeausschuss des Stadtrats hat auf seiner jüngsten Sitzung einstimmig grünes Licht für eine Investition im Umfang von 290000 Euro in Technik und Computersoftware gegeben. Der Großteil der Summe stammt aus Bundes- und Landesfördermitteln. Das berichtet die Mitteldeutsche Zeitung in ihrem Online-Dienst.
Wie Andreas Kockel vom städtischen Sachgebiet Verkehrstechnik erläuterte, wird mit der Investition die im Verwaltungsgebäude Am Stadion 5 vorhandene Verkehrsleitzentrale erweitert. Dort laufen bereits Daten über die Verkehrsdichte an 21 Messstellen im Stadtgebiet ein. Darüber hinaus sollen in dieser Zentrale künftig auch jene Daten zusammengeführt werden, die über die Fahrzeug-Frequenz an stadtweit 30 Ampelanlagen gesammelt werden. Als weitere Bausteine sollen zudem die Erhebungen des elektronischen Parkleitsystems sowie des Baustellenkalenders einfließen.
"Ein Vorläufer dieses ,Verkehrslagebildes' für Halle wurde bislang beim Mitteldeutschen Verkehrsverbund in Leipzig betreut. Wir übernehmen nun diese Technik und ergänzen sie", so Kockel. Im Herbst soll das System zum Laufen gebracht werden.
Die aus der Datenerfassung resultierende Verkehrslage sei jedoch vorerst nur für die Verwaltung abrufbar. "Wir verwenden die Daten unter anderem für Modellrechnungen, die vor allem für die Verkehrsplanung wichtig sind", so Kockel. Mittelfristig sei aber geplant, eine für alle Bürger im Internet abrufbare Verkehrslage-Übersicht anbieten zu können. - Quasi eine Art Stadt-Navigationssystem, mit dem man je nach Verkehrsaufkommen seine Route durch die Saalestadt zusammenstellen oder aber auch entscheiden kann, dass man lieber den öffentlichen Nahverkehr nutzt.
Die Aktivitäten in Halle bauen auf einem Projekt namens "Mosaique" auf, in dessen Rahmen zwischen 2005 und 2009 in Sachsen-Anhalt und Sachsen Vorarbeiten für ein zentrales mitteldeutsches Verkehrs Managementsystem geleistet worden sind. In dieses Projekt, das auch in Sachsen auf verschiedene Weise fortgesetzt wird, sind laut dem Verkehrsministerium in Magdeburg 14 Millionen Euro geflossen.
Das Projektkonsortium von MOSAIQUE wurde unter Federführung des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) gebildet. Es besteht aus den beteiligten Kommunen, lokalen Verkehrsbetrieben, renommierten Forschungseinrichtungen und namhaften Industriepartnern: Stadt Leipzig, Stadt Halle, Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH, Hallesche Verkehrs AG, Mitteldeutscher Verkehrsverbund GmbH, Fraunhofer Institut Verkehrs- und Infrastruktursysteme, PTV AG, ifak - Institut für Automation und Kommunikation e.V. Magdeburg und Bauhaus-Universität Weimar. Darüber hinaus sind die Industrie- und Handelskammern Halle-Dessau und Leipzig in der Antragsphase eingebunden worden, um gemeinsam mit logistikorientierten Unternehmen der Region die Belange des Wirtschaftsverkehrs einzubringen.
Parallel zum städtischen Lagebild tüftelt die Hallesche Verkehrs AG (Havag) an einem neuen satelliten-gestützten Navigationssystem für den Nahverkehr. Dabei soll auf die neuen europäischen Satelliten des Galileo-Programms zurückgegriffen werden. Der erste Straßenbahnzug mit entsprechender Technik wurde vorige Woche im Beisein von Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) zu Testzwecken offiziell auf Tour geschickt.
Weitere Informationen unter:
http://www.mosaique-online.de
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